Freitag, 20. Januar 2012

[Tagebucheintrag]- Lucki

20. Januar 2012


Wir fangen immer mit etwas Traurigem an. Es gibt nicht viele traurige Erlebnisse in meinem katzischen Leben, aber dieses ist eins. Die Meisten sind eher angepisst, nervig oder lästig und haben etwas mit meinem Frauchen zu tun. Aber hier geht es um den Tod meines Feindes und Freundes. Er oder viel mehr sie war Beides zugleich.
  Lola. Ja, das hier ist die Geschichte einer treuen Gefährtin, die ich fast mein ganzes Leben lang kannte. Sie wurde damals ausgesetzt und gefunden und sie landete bei mir. Wir konnten uns nie so richtig ausstehen. Sie aß mir das Futter weg, ärgerte mich, jagte mich durch den Garten und patschte mir andauernd ihre Pfote ins Gesicht. Ja, ein wirklicher Schlamassel war das mit ihr. Tag ein, Tag aus wurde ich gemobbt, gedemütigt und gepeinigt. Sie war schlanker und schöner, sportlicher und schneller als ich und mit ihr wurde andauernd gespielt. Ich fühlte mich vernachlässigt. Wir stritten, kloppten und fauchten uns gegenseitig an. Wir hatten aber auch schöne Momente miteinander. Nebeneinander in Freddis Bett liegen, gemeinsam auf das Essen warten oder einfach zusammen im Garten rumtollen. Wir waren beide Top fit. Sie litt bloß unter chronischem Schnupfen, während meine Gelenke weiter anfingen zu schmerzen. Ich hatte Plattfüße -.-
  Und dann der Schock. Lola wurde so richtig krank, ihr ging es schlecht und ich konnte nur dabei zusehen, wie sie immer dünner und leichter wurde, fast nur noch Luft war und ihre letzten quälenden Schritte tat. Sie aß nicht mehr, sie lag bloß noch da auf dem Tisch und maunzte in der Nacht vor Schmerz und Einsamkeit. Ich konnte sie nicht aufmuntern, denn wir Beide wussten, sie würde sterben. Ob nun heute oder morgen zählte nicht mehr.
  Sie war beim Tierarzt und der sagte, dass wenn es ihr nicht bis zu dem und dem Tag besser ging, sie eingeschläfert werden müsste. Es war ein Schmerz, der mir durch den Körper schoss, meine Pfoten kribbeln ließ und dafür sorgte, dass ich mich müde auf die Couch legte. Was sollte ich auch sonst tun? Die Katze, die ich schon mein Leben lang kannte, würde sterben. Wie fühlt man sich in solch einem Moment?
  Es ging ihr nicht besser. Jede Sekunde, jeder Atem war für sie quälend schmerzhaft und schließlich wurde sie zum Tierarzt gebracht, nachdem mein Frauchen sie noch ein letztes Mal gestreichelt umarmt und sich verabschiedet hatte. Ich wusste es würde qualvoll für mich werden, aber ich wusste auch, dass es das Beste für sie war, meine treue Feindin und Freundin.
  Seit dem fühle ich mich jede Nacht einsam da unten ganz allein, stehe auf und maunze fünf Minuten lang, bis jemand aufwacht, zu mir runter kommt und mich beruhigt. Meistens ist es mein Frauchen Freddi. Aber ich weiß auch nicht, ob diese Einsamkeit vorübergehen wird.
  Vielleicht kann Tigger mir helfen, sie zu verdrängen ...

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